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Elektronische Bauteile: Bauteilöffnung in der modernen Qualitätssicherung

19.04.2026 – In der Elektronikfertigung ist die Gewissheit über die Integrität interner Komponenten entscheidend. Die chemische Bauteilöffnung (Decapping) hat sich hierbei als wichtiges Werkzeug etabliert, um die „Black Box“ eines Halbleitergehäuses zu öffnen und den Silizium-Chip direkt begutachten zu können.

Decapping: Strategische Einsatzgebiete

Während zerstörungsfreie Methoden manchmal an ihre Grenzen stoßen, liefert das Freilegen des Dies (Chips) vor allem klare Erkenntnisse in zwei Hauptbereichen:

  • Verifikation der Lieferkette (Anti-Counterfeiting): Durch den Abgleich der Chip-Topographie, Logos und Revisionsnummern gegenüber verifizierten Referenzdaten, lassen sich gefälschte oder umgelabelte Bauteile sicher identifizieren.
  • Root-Cause-Analyse: Bei Feldausfällen ermöglicht die Mikroskopie des offenen Bauteils die Unterscheidung zwischen systemischen Fertigungsfehlern und Anwendungsfehlern, wie beispielsweise Beschädigungen durch elektrische Überlastung oder ESD.
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Methodik: Präzision statt roher Gewalt

Das Ziel ist die selektive Entfernung des Epoxidharzes, ohne die filigranen Bonddrähte sowie die empfindlichen Strukturen des Chips zu korrodieren. Moderne Anlagen nutzen hierfür mehrere hochkonzentrierte Ätzmittel in einem geschlossenen System unter Stickstoffatmosphäre. Im Anschluss erfolgt eine neutralisierende Reinigung, um eine absolut rückstandsfreie Oberfläche für die nachfolgende Digitalmikroskopie zu garantieren.

Kritische Abwägung: Wo das Verfahren an Grenzen stößt

Trotz der hohen Detailtiefe ist die chemische Öffnung kein Allheilmittel. Die Komplexität moderner Packaging-Technologien erfordert eine genaue Vorab-Bewertung:

  • Materialbarrieren: Bauteile in Keramik- oder Metallgehäusen entziehen sich dem chemischen Standardprozess.
  • Strukturelle Risiken: Bei Bauteilen wie beispielsweise Optokopplern oder Sensoren kann das Ätzmittel bestimmte Strukturen angreifen, was die Interpretation der Ergebnisse erschwert oder gänzlich verunmöglicht.
  • Bauform-Limits: Bauformen wie Flip-Chip-Designs verdecken ihre aktive Seite nach der Montage, was eine klassische Inspektion durch chemisches Decapping oft unmöglich macht.

Experten-Tipp: Für eine lückenlose Analyse im Hinblick auf die Kennzeichnungen von Dies sollte Decapping immer in die Prüfkette eingebettet werden. Wenn die aggressive Chemie interne Strukturen gefährdet oder Gehäuse ohnehin hierfür undurchdringlich sind, bieten hingegen hochauflösende Röntgeninspektionen in 2D-, 2.5D- oder 3D-Technik die ideale Lösung.

Autor: SafeLab GmbH