Mebatron: KI und moderne Elektronikfertigung in der Praxis
23.09.2026 – Unsere Transformation haben wir Mitte 2024 beschlossen und Anfang 2025 begonnen. Aufhören werden wir damit nicht mehr, denn genau das ist inzwischen der Punkt: Wir sind dauerhaft mittendrin.
2026 stand für uns unter anderem die Frage im Raum: Wo kann KI in der Elektronikfertigung ihren Platz finden? Nicht, weil jeder darüber spricht, sondern weil wir von ihren Möglichkeiten überzeugt sind – und Ideen sind reichlich vorhanden. Eine der ersten Antworten haben wir bei unseren Bauteildaten gefunden.
KI für Bauteildaten und Erstmusterprüfung
Früher wurden bei uns an verschiedenen Stellen immer wieder Datenblätter geöffnet, um Markings und Kennzeichnungen von Bauteilen herauszusuchen. Heute liest ein intern programmiertes KI-Tool die zutreffenden Markingcodes automatisiert aus den Datenblättern aus und überträgt sie in unsere interne Datenbank. Dort nutzen wir sie vorrangig für unsere Erstmusterverifizierung und die 3D-AOI.
Der entscheidende Unterschied ist einfach: Unsere Datenbank stellt die Informationen dauerhaft und automatisch mit unserer IPN verknüpft zur Verfügung.
Nicht jeder unserer KI-Versuche war erfolgreich. Wir haben einiges ausprobiert und sind dabei auch an Grenzen gestoßen – seltener wegen der KI selbst als wegen der eingesetzten Software und ihrer Einbindung in bestehende Fertigungsprozesse.
Automatische Prüfung direkt in der SMD-Linie
Mit unserem EFA-Wertekontrollsystem haben wir schließlich eine weitere Anwendung gefunden, bei der es funktioniert. Unsere Erstmusterprüfungen führen wir bereits seit Längerem digital und dauerhaft rückverfolgbar mit EFA offline durch. Nun kommt KI hinzu: Sie kontrolliert automatisch Anwesenheit, Polungen, Beschriftungen und Farbcodes von MELF-Widerständen. Hier spielt die Technologie ihre Stärke aus. Geringfügige optische Unterschiede erzeugen bei fest programmierten Prüfsystemen, etwa einer AOI, häufig Pseudofehler. Die KI kann flexibler mit solchen Abweichungen umgehen.
Damit konnten wir einen Schritt weitergehen: Ein KI-Inline-System ist inzwischen direkt in unserer SMD-Linie in Betrieb. Die bestückten Leiterplatten werden automatisch geprüft, bevor sie in den Lötofen fahren. Fehler können so erkannt werden, bevor aus einer bestückten eine gelötete Baugruppe wird.
Transformation über die Fertigung hinaus
KI allein macht jedoch noch keine moderne Fertigung. Parallel haben wir weiter in unseren Maschinenpark investiert und weitere Maschinen ausgetauscht und modernisiert. Unverändert setzen wir auf leistungsfähige ASMPT-XS-Systeme. Das Ziel ist dasselbe: höhere Effizienz, stabile Prozesse und genügend Flexibilität für die unterschiedlichen Anforderungen des Alltags.
Und wenn wir schon dabei sind, darf es außen ruhig auch etwas schöner werden. Nach dem Relaunch unserer vollständig neu gestalteten Website hat inzwischen auch unser Hauptgebäude einen neuen Anstrich bekommen. Transformation muss schließlich nicht ausschließlich in Datenbanken, Software und Maschinen stattfinden.
Eine andere Herausforderung wartete dieses Jahr ebenfalls auf uns: Wir, die beiden Geschäftsführer Stefan Gerhardt und Andreas Henschel, wurden von „Welt der Wunder“ zum Interview ins Studio eingeladen. Über Digitalisierung, KI und moderne Elektronikfertigung zu sprechen, gehört für uns zum Alltag. Das Ganze in einem Fernsehstudio vor Kameras zu erzählen, ist dann doch etwas anderes.
Auf das Ergebnis sind wir stolz, vor allem weil wir damit auch die deutsche EMS-Branche ein Stück weit ins Fernsehen bringen konnten. Eine Branche, die im Alltag vieler Menschen praktisch unsichtbar ist, obwohl Elektronikfertiger an unzähligen Produkten beteiligt sind, die täglich genutzt werden.
Bei aller Digitalisierung bleibt Zusammenarbeit menschlich
Bei all den neuen Maschinen, KI-Systemen und digitalen Prozessen war 2026 für uns bisher noch aus einem anderen Grund ein gutes Jahr: Wir haben viele Menschen kennengelernt, die unseren Weg inzwischen begleiten – im Unternehmen und als Partner auf Kundenseite.
Denn bei aller Digitalisierung bleibt ein Punkt analog: Gute Zusammenarbeit entsteht zwischen Menschen. Partnerschaftliche Kunden- und Lieferantenbeziehungen machen nicht nur Prozesse einfacher, sondern auch das Arbeitsleben besser.
Vielleicht ist genau das unsere wichtigste Erkenntnis aus der laufenden Transformation: Wir automatisieren dort, wo Technik Dinge besser machen kann. Damit wir mehr Zeit für die Dinge haben, bei denen der Mensch weiterhin unschlagbar ist.
Autor: MEBATRON Elektronik GmbH
